Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wickrath

Durch die Kriegswirren der Jahre 1939 bis 1945 gingen nahezu sämtliche Aufzeichnungen, Berichte und sonstigen Schriftstücke sowie Photographien, die Aufschluss über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wickrath von 1880 bis 1945 geben könnten, verloren.
 

Das älteste erhaltene Originaldokument ist die Festschrift zum goldenen Jubelfest im Jahr 1930.

Hierin beschreibt der Rektor Martin Jülicher die Entwicklung der Einheit von 1880 bis 1930.

 

1880 – 1930

von Martin Jülicher

 

Im September 1880, am Kirmesmontag, versammelten sich unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Naegelé in der Wirtschaft Saenger eine Anzahl Wickrather Bürger, um über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr zu beraten.

Nachdem die Notwendigkeit der Gründung der Wehr allseitig anerkannt worden war, erfolgte die Wahl des Vorstandes.

Kaufmann Hermann Kempken wurde als 1. Chef, Schmiedemeister Hugo Schale als 2. Chef, Fabrikant Karl Nacken als Steigerführer, Stellmacher Andreas Dahmen als Spritzenführer, Schreinermeister Friedrich Elsenbruch als Gerätewart und Färbereibesitzer Johann Ringelberg als Kufenführer gewählt.

Die Mitgliederzahl betrug etwa 60. Um die notwendigen Löschgeräte und die Ausrüstung und Bekleidung der Wehrleute beschaffen zu können, wurde beschlossen, in Wickrath eine Sammlung abzuhalten, die einen ansehnlichen Betrag einbrachte, der durch freiwillige Stiftungen und Zuschüsse der Feuerversicherungen so vermehrt wurde, dass von der Firma Beduwe in Aachen eine moderne Feuerspritze beschafft werden konnte, die noch im Jahr 1930 bei Bränden nötigenfalls benutzt werden konnte.

Fabrikbesitzer Wilhelm Nacken lieferte unentgeltlich den Stoff für die Anzüge der Wehrleute, Gerbereibesitzer Zacharias Spier das Leder für die Leibriemen.

So erhielt die Wehr vor und nach ihre Ausrüstung und Bekleidung durch zum Teil freiwillige Stiftungen.

Als Gerätehaus diente ein Teil der von dem Wirt Alex Häuser zur Verfügung gestellten Scheune.

Schon im ersten Jahr hatte die Wehr Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen, als sie von dem damaligen Rheydter Bürgermeister Pahlke zur Hilfeleistung bei dem großen Brande der Möbelfabrik von Blüchel gerufen worden war.

Auch in den nächsten Jahren war die Wehr bei größeren Bränden tätig, so in Herrath auf dem Gehöft von Blankertz, auf dem Priorshof und dem Günhoverhof und 1884 bei dem großen Brande auf dem Gestüt.

Die Ausrüstung der Wehr war inzwischen durch eine zweite Kufe und einen Handgerätewagen vermehrt worden.

Schon im Jahre 1881 war die Errichtung eines Steigerturmes erstrebt worden, doch scheiterte der Plan, weil die nötigen Mittel damals nicht aufzutreiben waren.

Im Jahre 1889 starb der 1. Chef der Wehr, Hermann Kempken, und Karl Nacken trat an seine Stelle, für den Albert Kamphausen als 2. Chef gewählt wurde.

Solange Hermann Kempken der Wehr vorstand, hatte die Wehr stets eine große Mitgliederzahl, und es herrschte in derselben ein reges Leben.

Auffallenderweise wechselte nach dem Tode Hermann Kempkens fortgesetzt die Person des Chefs der Wehr.

1892 legte Karl Nacken sein Amt nieder. Die darauf gewählten Albert Kamphausen als 1. und Emil Quack als 2. Chef traten bereits im folgenden Jahre zurück. An ihre Stelle traten Albert Schmitz und Peter Schopphoven. Danach standen noch Heinrich Schmitz, Heinrich Werth und Peter Frentzen an der Spitze der Wehr, und 1897 kam es soweit, dass sich niemand mehr fand, der bereit war, die Führung der Wehr zu übernehmen.

So sah sich der damalige Bürgermeister Kloeters veranlasst, eine Versammlung einzuberufen, die aber nur von elf Herren besucht war und ohne Erfolg verlief, da sich niemand zur Übernahme des Amtes als Chef der Wehr bereit erklärte.

Bürgermeister Kloeters teilte daraufhin im März 1899 der Provinzial-Feuerversicherung mit, dass die Feuerwehr Wickrath ihre Tätigkeit eingestellt habe und damit ihre Zugehörigkeit zur Feuerwehr-Unfallkasse, die im Jahre 1891 gegründet worden war, um die Wehrleute gegen Unfall zu sichern, erloschen sei.

Im Juni desselben Jahres lud Bürgermeister Kloeters nochmals zu einer Besprechung zwecks Neuorganisation des Feuerlöschwesens ein.

Die anwesenden zehn Mitglieder beschlossen auch, die Tätigkeit wieder aufzunehmen, bald traten auch wieder eine Anzahl neuer Mitglieder der Wehr bei.

Der Gemeindesekretär Kleinen wurde zum 1. Chef, Baumeister Gustav Wilde zum 2. Chef gewählt.

Nachdem vorübergehend wieder neues, regeres Leben die Wehr beseelt hatte und wieder eine gewisse Höhe der Ausbildung erreicht war, legten beide Chefs schon nach einem Jahre ihre Führung nieder.

Zwei Jahre blieb nun die Wehr ohne 1. Chef, weil, wie es im Protokoll vom 25. Oktober 1901 hieß, keine geeignete Persönlichkeit zu finden war, bis im September 1903 Leonhard Kuhlen als 1. und Jakob Croon als 2. Chef an die Spitze der Wehr traten.

Für einige Zeit wurden die Übungen wieder regelmäßig besucht, aber eigenartiger Weise erlahmte das Interesse bald wieder, und die Zahl der Wehrleute ging so zurück, dass verschiedene eifrige Mitglieder sich veranlasst sahen, an Bürgermeister Kloeters zwecks Neuorganisation heranzutreten.

In der am 22. März 1905 im Gasthof Hochstrate stattgefundenen Besprechung schlug Bürgermeister Kloeters nach einem eindringlichen Appell an die wenigen anwesenden Wehrleute den Polizeiwachtmeister Karsch als 1. Chef vor, der dann auch gewählt wurde.

Seit diesem Zeitpunkt führt Oberbrandmeister Karsch die Wehr ohne Unterbrechung, sodaß mit dem goldenen Jubelfest der Wehr gleichzeitig das silberne Jubiläum des Oberbrandmeisters Karsch als Führer verbunden ist.

Durch rührige Arbeit des neuen Chefs traten bald etwa 130 passive Mitglieder der Wehr bei, die dieselbe durch Jahresbeiträge unterstützten.

1905 bestand die Wehr 25 Jahre, doch wurde das Fest des 25 jährigen Bestehens um ein Jahr verschoben und am 29. Juli 1906 gefeiert, damit die Wehr sich bei der mit dem Fest verbundenen großen Schauübung als auf der Höhe der Ausbildung stehend zeigen konnte.

Gleichzeitig sollte an diesem Tage der auf dem Lindenplatz errichtete, von dem Schmiedemeister Hugo Schale ausgeführte Steigerturm, zu dessen Kosten verschiedene Versicherungsgesellschaften und die Gemeinde beigesteuert hatten, eingeweiht werden.

Zu dem schön verlaufenen Feste, bei dem die Musik von der ganzen Kapelle der Unteroffizierschule Jülich gestellt wurde, waren über zwanzig auswärtige Vereine erschienen.

Verschiedenen Gründern der Wehr, die derselben noch angehörten, konnte bei dem Feste das Verbandsdiplom überreicht werden.

In den folgenden Jahren hatte die Wehr mehrfach Gelegenheit, ihr Können bei größeren Bränden in den Dienst der Nächstenhilfe zu stellen, so bei zwei Bränden in der Spinnerei der Firma Köllges & Schneider, bei dem Brande bei Hamberger, Hauptstraße, der Scheune auf dem Gestüt, den Bränden der Gehöfte von Wilhelm Bresser, Gottfried Greifenberg sowie Heinrich Goerdts in Wickrathberg, den Stallungen der Wirtschaft Bresser, ebenda, des Broicherhofes bei Wickrathberg, bei Heinrich Wingerath, Sandstraße, des Ackerers Thelen und des Wirtes Dieck in Buchholz, sowie der Spinnerei von Lindgens Erben in Hochneukirch, zu welchem Brand die Wehr von Hochneukirch angefordert worden war. Die Tätigkeit der Wehr bei diesem Brande wurde sowohl von der Firma, als auch von der beteiligten Versicherungsgesellschaft durch ein namhaftes Geldgeschenk anerkannt und belohnt.

Bei den Bränden in den Nachbarorten hatte es sich als ein großer Übelstand erwiesen, daß die Wehr die Löschgeräte selbst zur Brandstätte ziehen mußte. Deshalb wurde 1909 die Beschaffung eines Mannschaftswagens, der Platz für 18 Leute bot, beschlossen und von dem Schmiedemeister Hugo Schale ausgeführt; das notwendige Pferdegeschirr wurde von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf gekauft.

Als dann das Vaterland am 1. August 1914 zu den Waffen rief, eilten die meisten Wehrleute zu den Fahnen, um Vaterland und Heimat zu verteidigen.

Ein zur Pflege der Geselligkeit ins Leben gerufener Gesangverein in der Wehr und eine von Ludwig Hoffmann, Wickrathberg, geleitete Musikkapelle schliefen während des Krieges ein.

Die Wehrleute Bernhard Krack, Gerhard Weiß und Josef Cremer besiegelten ihre Treue für Freiheit und Vaterland mit ihrem Herzblute und blieben auf dem Felde der Ehre.

Das in der Kasse der Feuerwehr befindliche Geld sowie sonstige der Wehr gemachte Zuwendungen wurden dazu verwandt, die Familien der im Felde stehenden Wehrleute zu unterstützen.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren war die Wehr bei der Bekämpfung folgender Brände tätig:

1914 Wickrath Markt 8 und bei Landwirt Heinrich Gormanns in Wickrathhahn,

1917 bei Gebrüder Kuhlen und Peter Franken,

1919 in der Lohmühle der Niederrheinischen Aktien-Gesellschaft für Lederfabrikation,

1921 bei Peter Schmitz,

1922 im Ringofengebäude von Daniel Bausch,

1924 im Warenschuppen von Schrey, Rheindahlenerstraße,

1925 in der Schlosserei Matthias Schrammen,

1927 im Lagerschuppen Bernhard Gothmanns und im Mischraum von Goertz, Kempken & Pongs,

1930 in den Stallungen von Emil Harf.

Besondere Freude wurde der Wehr 1927 zuteil. Ging doch ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: die Beschaffung eines eigenen Feuerwehr-Geräte- und Übungshauses.

In Erkenntnis der Unzulänglichkeit der bisherigen Unterbringung der Feuerlöschgeräte genehmigte der Gemeinderat die Mittel für ein an der Roßweide zu errichtendes Gerätehaus mit Steigerturm und Wohnung für den Gerätewart.

Die Kosten desselben, für das Gemeindebaumeister Gestermann den Plan entworfen hatte, beliefen sich bis zur Fertigstellung auf rund 22.000 Mark. In diesem Feuerwehrhaus ist auch die bereits vor mehreren Jahren beschaffte Alarmsirene untergebracht.

Dankbar vermerkt wird, daß zu den Kosten des neuen Feuerwehrhauses die Provinzial-Feuerversicherungs-Gesellschaft in Düsseldorf 1.600 Mark, die Gladbacher Feuer-versicherungs-Gesellschaft in Mönchengladbach 150 Mark und die Feuerversicherungs-Gesellschaft Rheinland in Neuß 100 Mark beigesteuert haben.

Die Einweihung des Feuerwehrhauses fand am 23. Oktober 1927 statt.

Nach dem Festzuge durch den Ort am Nachmittage, an dem die Wehren von Wickrath und Beckrath mit ihren Löschzügen, ferner die Wehren von Rheydt, Odenkirchen, Rheindahlen und Günhoven teilnahmen, zeigte die Wickrather Wehr auf dem Turmplatze und an dem neuen Steigerturm ihr Können der Bürgerschaft.

Anschließend übergab Bürgermeister Dißmann das neue Gerätehaus der Wickrather Wehr, wobei er folgendes ausführte: „Schon seit langer Zeit war es der lebhafte Wunsch der Gemeindevertretung, unserer wackeren und erprobten Feuerwehr ein eigenes Heim zu gründen. Die Verzögerung der Verwirklichung dieses Planes lag also sicher nicht im Mangel an gutem Willen; es stellte sich ihr lediglich die gebieterische Notwendigkeit in den Weg, mit den verfügbaren Mitteln haushälterisch zu Werk zu gehen. Die zwingende Bedürfnisfrage war allseitig und wir hatten endlich die freudige Genugtuung, daß die erforderlichen Mittel einstimmig bewilligt wurden. Fern lag es uns, einen Prunkbau auszuführen, aber handfest, solide und wirklich brauchbar für seine segensreichen Zwecke sollte das sein, was wir schufen. Und ich glaube, daß das, was nun vollendet vor uns steht, alle diese Bedingungen erfüllt. Wenn jetzt die Feuerglocke bang ertönt, dann gibt es nicht mehr das wilde Hasten und Drängen, um mühsam von allen Seiten die Geräte herbeizuschaffen. Im neuen Heim findet unsere tatkräftige Wehr alles bereit und handgerecht, dessen sie bedarf und mit Beruhigung dürfen wir uns auf sie verlassen. So weihen wir denn unser neues Feuerwehrhaus mit dem Herzenswunsche, daß es fest und sicher stehen möge als Hochwacht gegen das verderbliche Element. Möge nur selten von hier aus der Rettungszug seinen Weg nehmen durch Sturm und Nacht, dem bangen Hilferuf, dem Flammenmeer entgegen. Wenn aber die Not da ist, dann werden wir auf unsere erprobte Wehr bauen; möge sie ihre Pflicht tun allezeit in Treue und Liebe zu den bedrängten Mitbürgern! So übergebe ich dieses Haus zur Benutzung der Feuerwehr Wickrath!“

Der alte Steigerturm auf dem Lindenplatz, der nunmehr überflüssig war, wurde inzwischen abgebrochen.

   
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